Mental Load: Wie entkommen wir als Eltern der Aufrechnen-Falle?
Elternblog
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Welche Aufgaben stressen dich und warum?

Es waren keine grossen, sondern viele kleine Veränderungen, die sich summiert hatten: ein Kind brauchte mehr schulische Unterstützung, mein Mann kam abends öfter spät nach Hause, ich hatte ein Projekt zu viel angenommen, der Hund musste regelmässig für Allergie-Spritzen zum Tierarzt. Das brachte unser Fass zum Überlaufen.

3. Tiefer graben statt besser organisieren: Was uns nervte, waren eigentlich gar nicht nur unsere Aufgaben. Was mir wirklich fehlte, war entspannte Zeit, die ich mit der Familie geniessen konnte, ohne dauernd an die nächsten To-Dos zu denken und sie an alle zu verteilen. Was Romain fehlte, war das Gefühl, sich seine Familienzeit selbst einteilen zu können, ohne plötzlich von mir neue Aufgaben aufgebrummt zu bekommen. Was uns beiden fehlte, war das Gefühl, vom anderen als Mensch wertschätzend beachtet zu werden, nicht nur als Dienstleistungs-Roboter eingespannt zu werden. Sobald wir anfingen, über unsere tieferen Gefühle und Bedürfnisse zu reden, öffneten sich neue Wege.

4. Suchen nach «was sich subjektiv ok anfühlt» statt nach objektiver Gerechtigkeit: Minuten abzurechnen, um Aufgaben zu verteilen – das funktioniert im Familien-Alltag einfach nicht.

Und es würde sich nicht mal gut anfühlen, weil wir verschiedene Aufgaben ganz unterschiedlich empfinden: Ich geniesse es, abends für alle zu kochen, Romain fühlt sich da hungrig, unter Zeitdruck und gestresst. Er findet es spannend, unsere Räder zu reparieren, ich kann damit wenig anfangen. Den Mut, klar zu sagen, was wir gern machen und was uns stresst, mussten wir erstmal finden. Wenn wir beide ganz subjektiv das Gefühl haben, dass wir eine Balance zwischen uns gefunden und beide einen akzeptablen Mix an angenehmen und stressigen Aufgaben haben, läuft es rund.
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Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage?

Es wäre so schön, wenn ich sagen könnte, dass wir unseren Königsweg entdeckt haben und alles plötzlich ganz leicht und harmonisch wurde. Für uns gab es dieses «und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage» nicht. Es bleibt eine intensive und anstrengende Zeit mit der Familie.

Aber in manchen Momenten fühlt sie sich leichter an. Wir trauen uns, über das zu sprechen, was uns wirklich belastet und fehlt, was wir wirklich brauchen, was doch noch einmal neu aufgeteilt werden muss.

Und doch: Wir haben ein grundsätzliches Vertrauen ineinander wiedergefunden: Dass unsere Bedürfnisse wichtig sind und vom anderen gehört werden. Dass nichts in Stein gemeisselt ist, dass wir flexibel Lösungen suchen, die jetzt für uns stimmen. Und dass wir das als Team immer wieder hinkriegen.

Über die Autorin:

<div><strong>Ulrike Légé,</strong> lebt im Baselland, arbeitet Teilzeit als freie Journalistin und Autorin, mit drei Kindern (9, 12, 15) und Sunny-Hund. Ihrem Ehemann hat sie bereits <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/gesellschaft/familienleben/eheversprechen-erneuern-noch-einmal-ja-sagen">zweimal das Jawort gegeben.</a></div>
Ulrike Légé, lebt im Baselland, arbeitet Teilzeit als freie Journalistin und Autorin, mit drei Kindern (9, 12, 15) und Sunny-Hund. Ihrem Ehemann hat sie bereits zweimal das Jawort gegeben.

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1 Kommentar

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Von Katrin am 14.01.2020 14:01

Danke für diesen Artikel, der mir aus der Seele spricht! Gezielt Aufgaben vorübergehend zu tauschen hat sich bei uns noch als zusätzliche gute Lösung herausgestellt, damit wir beide merken, was der andere alles macht. Und wenn es dann umgekehrt besser geht, wird es beibehalten, wenn nicht, wird zurückgetauscht und es ist auf jeden Fall Wertschätzung dazugekommen!

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