Elternblog

Ferienende: Absturz in den Alltag

Je schöner die Familien-Ferien, umso tiefer der Fall bei der Rückkehr nach Hause. «Warum nur schaffen wir es trotz bester Vorsätze nicht, die Erholung mitzubringen?», fragt sich Dreifach-Mama Ulrike Légé.
Text: Ulrike Légé
Bild: Adobe Stock
Ich hasse es, zurückzukommen aus den Familienferien. Es reicht genau dieser eine Tag mit Abreise und Ankommen zu Hause, und mein gesamter Urlaubseffekt fällt in sich zusammen wie ein frischgebackenes Soufflé im Kühlschrank. Puff, einfach weg ist die ganze Erholung!

Und das, egal, wie schön und relaxed wir es hatten am Strand oder in den Bergen. Im Gegenteil, unser Murphy‘s Law vom Urlaub ist: Je schöner die Ferien, desto spektakulärer unser Absturz in den Alltag.

Es fängt schon beim Packen für die Rückfahrt an: Keiner hat Lust, alle haben plötzlich dringend etwas vor. Papi braucht mehr als eine Stunde, um die Rechnung zu zahlen. Beziehungsweise so lange, bis ich wie eine Kampfhenne losstürme, ihn in der Hotelbar finde und loseise. Die Mädels murmeln etwas von «Freundinnen verabschieden» und verschwinden einfach. Dem Teenie-Sohn scheint die Sonne gezielt Teile seines Gehirns lahmgelegt zu haben: Er schafft es zwar, alle Kumpels in Fortnite zu besiegen, aber einfachen Anweisungen wie «Kleider in Koffer legen» kann er nicht mehr folgen.

Sesam öffne dich, Koffer schliesse dich!

Unsere Klamotten müssen sich während des Urlaubs ausgedehnt haben wie diese Mini-Schwämmchen-Rollen, aus denen plötzlich ein ganzes Handtuch wird. Vielleicht klebt auch zu viel Sand in den Kleidern. Was sicher nicht stimmt, ist die Behauptung meines Mannes, wir hätten wieder zuviel geshoppt. Auf jeden Fall gehen die verdammten Koffer nicht zu.

Draussen hupt schon der Shuttle Bus, während ein Kind noch schnell muss. Ein anderes verfärbt sich nach ein paar Minuten Busfahrt weiss-grün-gräulich. Später im Flugzeug bei den Turbulenzen wird ihm dann das zweite Mal schlecht. Woraufhin der Teenie lospoltert: «Ey, Ihr seid aber auch in jeder Situation so etwas von endpeinlich, mit euch kann man ja nirgendswohin!» 

Stunden später stehen wir mit einem Muffelteenie, einem heulenden und einem vollgekotzten Kind so lange am Gepäckband, bis unsere Koffer als letzte eintrudeln. Mit Klebeband zusammengehalten, wahrscheinlich unterwegs explodiert. Sie waren ja ein klitzekleines bisschen zu voll.
Nur Menschen können auf engstem Raum beisammen sitzen, meint eine Verhaltensforscherin. Die sass noch nicht mit uns im Auto.
Übrigens: Im Auto zu reisen, ist auch nicht besser. Eine Verhaltensforscherin schwärmte mal, nur wir Menschen könnten es mit unserer hoch entwickelten Sozialkompetenz auch in kleinsten Räumen zusammen aushalten. Affen würden sich umbringen.

Dann sind wir wohl Affen. Im Auto könnte ich meinen Mann umbringen, weil er nur schweigend Kilometer fressen will und mir den ganzen «Mami, ich hab' Hunger / muss Pipi / will das iPad / wann sind wir endlich da / mir ist übel ...»-Zirkus komplett allein überlässt. Mein Mann könnte mich umbringen, weil ich mit seiner neuen App nicht klarkomme und uns direkt in den grössten Stau gelotst habe. Die Kinder bringen sich sowieso grundsätzlich gegenseitig um.

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