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Elternblog

Schluss mit den Familien-Weihnachtsmythen!

Lächelnd und singend basteln und Guetzli backen zwischen stilvoller Deko im skandinavischen Schick? Auch unsere Kolumnistin träumt von einem solchen Weihnachten. Doch die Realität sieht ganz anders aus.
Text: Ulrike Légé
Bild: zVg
Alle Jahre wieder wünsche ich mir sehnlichst, ein Weihnachts-Buddha zu sein. Tiefenentspannt, in mir ruhend, selig über den Dingen schwebend. Ich würde dafür sogar ein Buddha-Bäuchlein in Kauf nehmen – gefüllt mit Schoggi und Glühwein.

Stattdessen mutiere ich jedes Jahr pünktlich zum 1. Advent zu einem hässigen Duracell-Häschen. Ich springe panisch in alle Richtungen, belle Befehle an die Familie, bin permanent in Action. Meine To-Do-Liste ist vier Seiten lang und morgens um 4 Uhr schrecke ich aus dem Schlaf um sie ergänzen:  «Geschenk für Schwiegermutter??» 

Weihnachts-Wahnsinn statt buddhamässiger Besinnlichkeit. Frust beim Shoppen statt Frieden im Herzen. Entnervt-Sein statt Erleuchtung. Warum bloss? Ich denke, schuld sind die verflixten Weihnachts-Mythen. An die wir Eltern so naiv und hartnäckig glauben wie unsere jüngsten Kinder an den Weihnachtsmann.

Mythos 1: Basteln mit Kindern macht Spass

Schon nach zwei Minuten ist es passiert: Kleine Fingerchen sind mit Heiss-Leim zusammengeklebt. Der Gussbeton wurde in die Ritze vom Esstisch gegossen. Unser Hund ist überschüttet mit Glitter und schleckt sich diesen vom Fell. Das Kleinkind blubbert aus dem Mund, nachdem es Seifenflocken gegessen hat. Fünf Minuten später haben die Kinder jegliches Interesse am Basteln verloren. Sie stehen auf, um Farbe und Kleber im Rest des Hauses zu verteilen. Mami darf zwei Stunden lang die schaurig-schönen Bastel-Objekte zu Ende bringen, einpacken und alle Spuren wegputzen. 

Mythos 2: Der Dezember ist ein besinnlicher Monat

Vielleicht war er das vor 2017 Jahren, als es noch keine Anlässe gab. Seitdem hat ein Weihnachts-Sadist beschlossen: In 24 Advents-Tage passen problemlos doppelt so viele Events:

  • Guetzli-Backen in der Schule (Schürze mitbringen!)
  • Flötenkonzert in der Musikschule (etwas fürs Büffet backen!)
  • Eislaufen mit der Klasse (gesamtes Ski-Outfit raussuchen!)
  • Wald-Weihnacht mit dem Förster (Klöpfer kaufen!)
  • Niggi-Näggi-Hogg mit dem Sportverein (Wichtel-Geschenk organisieren!)
  • Krippenspiel in der Kirche (Kamel-Kostüm basteln!)
Wir Eltern sind dauernd am Kochen, Ausstatten und Wegräumen. Aber nicht die Hoffnung verlieren: Am 17. Dezember, so zwischen 15.10 und 15.25 Uhr – da gehen wir es richtig besinnlich an! 

Mythos 3: Stilvolle Weihnachtsdekoration

Nur ein paar Holzsterne und mundgeblasene Glaskugeln – wie wunderschön sieht die Deko bei unseren kinderlosen Freunden aus! So wollen wir es auch gerne haben. Allerdings haben wir da ein paar kleine Probleme: Den selbstgebastelten Monster-Engel aus der Spielgruppe mit regenbogen-farbenem Glitzer zum Beispiel. Die schrillgrünen, schräg zusammengenähten Baum-Anhänger aus dem Kindsgi. Der Samichlaus aus klebergetränkten Pfeifenputzern vom Werken. Wenn wir sie nicht aufhängen, brechen Kinderherzen. Also ist der Stil bei uns wieder einmal grellbunt und überdekoriert statt mit minimalistischem skandinavischem Schick. 
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Mythos 4: Kinder backen gerne Guetzli

Kinder lieben es, mit ihren Fingern im Teig zu mantschen. Sie lieben es, Geschwister mit dem Nudelholz zu schlagen und sich um die Guetzli-Ausstecher zu streiten. Davon sind sie dann so erschöpft, dass sie es grad noch schaffen, einmal kurz auszurollen und auszustechen. 

Danach verschwinden unsere Kinder aus der Küche und entführen die Mehltüte, um eine Ski-Piste für die Playmobil-Männchen zu gestalten. Der Rest vom Backen hängt wieder einmal am Mami. Die muss auch Teigreste aus Kinderhaaren und Küchenschubladen entfernen. Und ist davon so gestresst, dass die erste Runde Guetzli im Ofen verbrennt. Die zweite Runde gelingt, aber Kraft zum Dekorieren hat niemand mehr.

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