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Psychologie

Tipps zur Zeitumstellung mit Kindern

Am kommenden Sonntag, 25. März, ist es wieder soweit: Die Uhr wird um 2 Uhr nachts eine Stunde vorgestellt. Viele Kinder bringt dies aus dem Rhythmus. Wie man ihnen helfen kann.
Text: Regina Röttgen
In der Nacht auf Sonntag ist es anstatt 2 Uhr nachts plötzlich 3 Uhr. Die fehlende Stunde bleibt häufig nicht ohne Konsequenzen: Das Kind möchte seine gewohnte Stundenzahl schlafen und steht am Morgen - laut Uhr - eine Stunde später auf. Am Abend ist es dann zur üblichen Schlafenszeit noch nicht müde. Geht es später ins Bett, wird es am Morgen nicht ausgeschlafen sein. Und so weiter. Wie bei einem kleinen Jetlag.
«Alle Menschen unterliegen grundsätzlich den gleichen Taktgebern, die den Tagesrhythmus steuern», sagt André Dietziker, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP und Leiter des Instituts für Chronobiologie in Hünenberg. «Kommt einer davon durcheinander, fällt es oft schwer, den Trott wiederzufinden.» Ein äusserer Faktor sei das Sonnenlicht, nach dem wir unseren Schlaf- und Wachrhythmus ganz natürlich ausrichten. «Weitaus mehr fällt die erzwungene frühere Aufwachzeit ins Gewicht», meint Dietziker.

Die Zeitumstellung stört den kindlichen Rhythmus

Es sind unsere biologischen und sozialen Uhren, die durch die erzwungene Rhythmusverschiebung aus dem Takt gebracht werden. Die biologische Uhr, eine Art «Masterclock» wie Dietziker sie nennt, steuert Stoffwechsel, Organe und die Aktivität einzelner Zellen. «Melatonin steuert unseren Schlaf. Atemfrequenz und Körpertemperatur sinken nachts ab und Cortisol leitet das Aufwachen ein», nennt Dietziker ein paar Beispiele.

Reissen wir unser Kind zu einer ungewohnten Zeit aus dem Schlaf, kann dessen Körper durcheinanderkommen. «Der Stoffwechsel steckt dann möglicherweise noch in seinen Regenerationsaktivitäten», erklärt Dietziker. Dann sind Kinder schwer wach zu bekommen und fühlen sich müde nach dem Aufstehen.

Ein weiterer Taktgeber ist die sogenannte soziale Uhr. «Darunter versteht man täglich wiederkehrende Abläufe und Rituale», so Dietziker. Aufstehen, Frühstücken, Schulweg, Unterricht, Freizeitaktivitäten und Schlafenszeiten fallen zum Beispiel darunter. «Kinder sind in hohem Masse auf solch gleichbleibende äussere Abläufe angewiesen, denn sie vermitteln ihnen Sicherheit und Geborgenheit und fördern ein grundsätzliches Vertrauen in die Umwelt und sich selbst.» Ändert man diese abrupt, kann es beim Kind zum Stresszustand kommen.
Manche Kinder leiden stark unter dem Stresszustand, der bei der Zeitumstellung entsteht. Schlafstörungen, Müdigkeit und Verstimmungen können noch lange andauern. Kinder sind verwirrt, weil sie nicht nachvollziehen können, was passiert. Anderseits seien Kinder gegenüber älteren Menschen laut Dietziker klar im Vorteil. Der junge Organismus könne sich schneller an die neue Situation anpassen.

Jugendliche hingegen trifft die Zeitumstellung im Frühling besonders schwer. «Jugendliche in der Pubertät sind für einige Jahre alle Eulen. Sie sind abends besonders aktiv und kommen am Morgen nicht aus den Federn.» Bis auf die Zeit der Pubertät, in der die meisten inneren Uhren konform laufen, ist es ganz individuell, welcher Chronotyp ein Kind oder Erwachsener ist.

Sogenannte Eulen sind Abendmenschen, die erst zu später Stunde zu Hochform auflaufen. Lerchen hingegen gehen abends früh zu Bett und sind morgens putzmunter. «Sind ihre Kinder eher Frühaufsteher, macht ihnen die verlorene Stunde weniger aus, da sie morgens sowieso schneller auf Betriebstemperatur sind», so Dietziker.
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Mit gutem Beispiel voran in die Umstellung

Euleneltern rät der Experte vor allem zur Ruhe und zu Verständnis. «Auf den mangelnden Antrieb und die Unlust mit Stress und Hetze zu reagieren, bringt nur eine destruktive Dynamik in den Familienmorgen, der in der Regel nicht beschleunigt, sondern blockiert.»

Die angeborene, typologische (Un-)Empfindlichkeit ist letztlich nicht zu ändern. Faktisch jedoch spielt es eine grosse Rolle, wie leicht oder schwer Eltern selber mit der Zeitumstellung umgehen. Das Rollenmodell greift hier: «Das Wohlbefinden und die Gelassenheit der Eltern, die ja ebenso aus dem Rhythmus geraten, ist entscheidend für das Stressniveau und die Befindlichkeit der Kinder.»

Mithilfe gezielter Massnahmen können Eltern die negativen Auswirkungen abschwächen. Dietziker empfiehlt zum Beispiel, die Zeitumstellung auf einige Tage zu verteilen. «Eltern können ihre Kinder viertelstundenweise früher aufstehen lassen.» Die Schlafenszeit würde dann demgemäss angepasst. Lampen könnten ebenfalls Abhilfe schaffen: «Helles weisses Licht verhilft zu grösserer Wachheit und Energie.» Oder man versucht es mal ganz unkonventionell: «Warum nicht die Zeitumstellung zum Thema machen und ein besonderes Sommerzeitfrühstück kreieren?» Darauf kann sich dann die ganze Familie freuen.

Foto: Fotolia.de

Tipps zur Zeitumstellung mit Kindern: 

  • Seien Sie positiv und nehmen Sie die plötzliche Zeitumstellung als Anlass für eine kleine Philosophiestunde: Wie springt die Uhr? Warum ist es jetzt genau 3 Uhr? Ist jetzt überall auf der Welt gleich früh?

  • Arbeiten Sie sich langsam an den Zeitsprung heran. Sommerzeit: Bringen Sie Ihre Kinder jeden Abend bis zur Umstellung 10 bis 15 Minuten früher ins Bett, so dass sie die fehlende Stunde besser auffangen können und morgens früher wach sind. Im Herbst dann umgekehrt für die Winterzeit: Jeden Abend ein Viertelstündchen später Bettruhe. Passen Sie die Essenszeiten und einen möglichen Mittagsschlaf dem angepassten Rhythmus an.
     
  • Gönnen Sie sich viel frische Luft und schönes Licht. 

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Zur Person: 

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Regina Röttgen gehört zu den Menschen, die mit der Zeitumstellung problemlos zurecht kommen. Auch ihre Söhne, zwei Frühaufsteher, stecken die fehlende Stunde leicht weg. Im Südwesten der Türkei geniesst sie seit zwei Jahren das Leben ohne Zeitumstellung. 

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