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Familienleben

Sechs Vorurteile über Trennungsfamilien

Eine Trennung ist immer traumatisch für Kinder, alles ist besser als alleine erziehen, etc. Sechs Vorurteile über Trennungsfamilien – und wie es wirklich ist.
Text: Andres Eberhard 
  •  Immer mehr Kinder wachsen als Scheidungskinder auf.
    Zwar ist die Scheidungsrate von 1970 bis heute von 15 auf 41 Prozent gestiegen. Trotzdem wächst die grosse Mehrheit der Kinder heute mit beiden Elternteilen auf. Nur 10 Prozent der unter 18-Jährigen leben in einem Einelternhaushalt, bloss 2,6 Prozent in einer Patchworkfamilie. Grund: Am höchsten ist die Scheidungshäufigkeit im mittleren Lebensalter, wenn die Kinder schon aus dem Haus sind. Der Trend zur späten Scheidung trägt also dazu bei, dass weniger minderjährige Kinder betroffen sind. 

  • Eine Trennung ist für Kinder immer schlimm.
    Zwar geht es Scheidungskindern im Schnitt tatsächlich schlechter als Kindern von intakten Familien. Der Grund dafür ist gemäss Langzeitstudien aber nicht die Trennung an sich, sondern deren Folgen: Verlust eines Elternteils, Streit oder Geldprobleme.

  • «Gute» Trennungen sind selten.
    Studien zeigen, dass schweizweit nur knapp 15 Prozent der Scheidungen hochstrittig sind. In weiteren rund 15 Prozent der Fälle erfolgt die Trennung harmonisch. Bei der grossen Mehrheit jedoch, in rund 70 Prozent der Fälle, ist die Anfangszeit schwierig, doch schliesslich schaffen es die Eltern, die Beziehung aufzulösen, die Familie aber neu zu organisieren.

Weiterlesen: 

Dossier Scheidung: Kindeswohl nach der Trennung.
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Die neue Ausgabe: Ab 7. März am Kiosk kaufen oder online bestellen.
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  •  Vor Kindern wird nicht gestritten.
    Paare mit Kindern im Haushalt gaben in einer Befragung häufiger an, dass sie in Konfliktsituationen zornig werden oder schreien, während Paare ohne Kinder im Haushalt die Sache öfter ruhig ausdiskutieren.

  • Kinder wissen noch nicht, was sie von den Eltern erwarten.
    Die wenigen Studien, in welchen Kinder befragt wurden, zeichnen ein eindeutiges Bild: Familie bedeutet für Kinder umsorgt sein und Pflege, Liebe sowie gegenseitige Unterstützung – und zwar unabhängig von Alter, Geschlecht und kulturellem Hintergrund. In den Äusserungen der Kinder spielen hierbei erwartungsgemäss die Eltern eine zentrale Rolle, in erster Linie die Mutter. Übrigens: Schulkinder und Teenager können nachweislich auch präziser den Erziehungsstil ihrer Eltern beschreiben als diese selbst. Das hängt wohl damit zusammen, dass Kinder dank dem Austausch mit ihren Freunden und Gleichaltrigen die Erziehungspraktiken ihrer Eltern besser mit denjenigen anderer Eltern vergleichen können.

  • Co-Parenting ist immer besser als alleine erziehen.
    Am besten sind die Betreuungsmodelle, die individuell gut funktionieren. Gemäss den Untersuchungen der Familienrechtsprofessorin Hildegund Sünderhauf ist eine funktionierende alternierende Obhut der «Rolls-Royce» unter den Betreuungsmodellen. Klappt es damit aber nicht gut, sei ein Residenzmodell vorzuziehen – wenn dieses funktioniert. Schlecht und belastend für Kinder ist immer die Fortsetzung der elterlichen Konflikte, unabhängig vom Betreuungsmodell.

Quellen: 
- Familienbericht des Bundes, 2017
- Pasqualina Perrig-Chiello, François Höpflinger, Christof Kübler, Andreas Spillmann: «Familienglück – was ist das?»
 - Hildegund Sünderhauf: «Wechselmodell: Psychologie –  Recht – Praxis»

Bild: Pixabay

Scheidungskinder: Wie geht eine Trennung im Guten?

  • In den letzten 50 Jahren hat sich die Scheidungsrate in der Schweiz mehr als verdoppelt. Eine Trennung muss aber nicht zwingend einen negativen Einfluss auf die kindliche Entwicklung haben. Vorausgesetzt, die Eltern schaffen es, sich zum Wohle des Kindes zu verhalten. Wie geht das? Lesen Sie hier den Haupttext unseres Dossiers zum Thema Scheidung
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